Dimensionen der Fotografie

Ein gutes Foto stammt nicht zwangsweise aus einer guten Kamera. Fotografie ist sowohl die Kunst der Abbildung des einzigartigen Moments als auch die der richtigen Perspektive. Beides kann man nicht durch teures Equipment ersetzen. Doch die Möglichkeit, Fotografien durch individuelle Einstellungen zu beeinflussen ist äußerst wertvoll. Was die meisten Schnappschusskameras nur als Modi anbieten, wird bei (semi-)professionellen Kameras durch komplett manuelle Eingaben erweitert. Die gekonnte Kombination der unterschiedlichen Einstellungsdimensionen lässt den unwiederbringlichen Moment wortwörtlich in einem ganz anderen Licht erscheinen.

Belichtung

Mit der Belichtungszeit (oft auch Verschlusszeit) beeinflusst man, für wie lange die Blende geöffnet bleibt, d.h. wie lange der Film bzw., bei digitalen Geräten, der Bildsensor belichtet wird. Je höher die Belichtungszeit eingestellt wird, desto mehr Licht erhält der Sensor und desto mehr relative Helligkeit erhält das Bild. Man spricht entsprechend von einem unterbelichteten Bild, sofern der Sensor nicht genügend lange belichtet wurde und das Motiv folglich aufgrund zu starker Dunkelheit schlecht zu erkennen ist. Von einer Ãœberbelichtung spricht man hingegen sofern das Bild in Folge zu langer Belichtung zu hell wirkt und die Konturen in weiß verschwimmen.

Blende

Die zweite wichtige Dimension ist die Einstellung der Blendenöffnung. Je größer die Blendzahl, desto höher die Schärfentiefe und desto geringer öffnet sich die Blende des Objektivs. Aufgrund des geringeren Lichtdurchlasses muss die Belichtungszeit gewöhnlicherweise an die Blendenöffnung angepasst werden, sofern man eine Änderung der Schärfentiefe erzielen möchte. Ebenso kann die Schärfentiefe bei Langzeitbelichtungen zu Hilfe genommen werden, um die Belichtungszeit bei gleicher Helligkeit zu erhöhen und damit u.a. besondere Lichteffekte zu erzielen oder sogar bei Tage Aufnahmen mit höherer Belichtungszeit ohne Ãœberbelichtung zu ermöglichen. Bei hohen Blendzahlen ist zudem sehr genau zu Erkennen ob der Sensor einer digitalen Kamera verschmutzt ist, da die Schärfentiefe dementsprechend hoch ist.

ISO-Empfindlichkeit

In analogen Kameras, welche noch mit Filmen arbeiteten, bezog sich die ISO-Empfindlichkeit auf den Film der Kamera. Das bedeutet, je höher die ISO-Lichtempfindlichkeit des Films, desto geeigneter war dieser für Aufnahmen bei Nacht oder in Dunkelheit. In gewisser Weise stellt die Variation des ISO-Werts also eine Alternative zur Erhöhung der Belichtungszeit dar, mit dem Vorteil, bei geringerer Belichtungszeit die eigentlich dunkle Umgebung relativ heller abzubilden – ggf. auch ohne Stativ! In den 70er-Jahren lag die Lichtempfindlichkeit des lichtempfindlichsten Farbfilms bei ca. 400, heute ist bei professionellen digitalen Kameras auch ein ISO4000 oder höher einstellbar. Bei diesen hohen ISO-Werten ist jedoch mit einem starken Bildrauschen zu rechnen, weshalb man diese Funktion wirklich nur bei Bedarf (d.h. bei Freihandfotografie ohne Möglichkeit für Stativaufnahme) einsetzen sollte, da die Qualität der Fotos sonst sehr stark darunter leidet.

Brennweite

Die Brennweite ist diejenige physikalische Größe, welche den umgangssprachlichen „Zoom-Faktor“ bestimmt. Bei der Fotografie unterscheidet man prinzipiell zwischen Weitwinkel-, Standard-Zoom- und Teleobjektiven, wobei das Weitwinkelobjektiv die kleinsten (bis ca. 20mm) und das Teleobjektiv die größten (ab ca. 60mm) Brennweiten besitzt. Nebenbei: von einem Zoom-Objektiv spricht man generell, wenn es sich um ein Objektiv mit variabler (anstatt fixer) Brennweite handelt. Nur in diesem Fall ist die Zoomstufe eines Objektives verstellbar!

Ein Weitwinkelobjektiv ermöglicht einen möglichst großen Abbildungswinkel und wird daher oft für Panorama- und Naturaufnahmen verwendet. Das Teleobjektiv, als krasses Gegenteil, bietet sich dahingehend u.a. besonders für Tier- und Sportfotografie an, da man hier Distanz zum Motiv halten muss.

Weitere Dimensionen

In diesem Beitrag wollte ich lediglich die Varianz an Möglichkeiten der Fotografie sowie auch die eigentliche Komplexität, die hinter einem Foto steckt, darstellen. Neben den genannten Dimensionen gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Einstellungsmöglichkeiten beim Fotografieren. Neben dem Weißabgleich (bzw. der Wahl des Fotofilms) gibt es heute softwareseitig bei DSLR-Kameras eine Vielzahl an Einstellungen, die getroffen werden können. Ebenso gibt es bei Objektiven noch einige weitere Eigenschaften, die von Bedeutung sind; als nächstwichtigste ist hierbei die Lichtstärke zu nennen.

Das perfekte Foto

…gibt es! Und zwar nicht nur eines, sondern eine ganze Menge. Jedes Foto hat seine eigene Geschichte, jedes Foto ist einzigartig und hält einen einzigen Moment aus einer einzigartigen Perspektive und mit einzigartigen Einstellungen fest. Durch die gezielte Kombination von Belichtungszeit und Tiefenschärfe (mit konstanter ISO von ca. 100-400) lassen sich bereits eine unglaubliche Vielzahl an professionellen Fotovarianten erzeugen (Nachtfotografie, langzeitbelichtete Wasserfotografie etc.). Das wichtigste jedoch bleibt: es ist nicht die Kamera die das Foto macht, sondern der Fotograf, der den Moment festhält.

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