iPhone 4 – von einem nicht perfekten Mobiltelefon

Es war eine der schwierigsten Kaufentscheidungen des Jahres 2010: iPhone oder Android. Letztendlich triumphierte der Apfelanbieter dank glanzvollem Display, Reaktionsgeschwindigkeiten, Kamera und Bauform vor der Google’schen Konkurrenz. Seither habe ich es mir dennoch zur moralischen Aufgabe gemacht, kritischer Nutzer dieses Geräts zu bleiben, um mich von all jenen Nutzern zu distanzieren, welche technische Freiheit gerne für intuitive Benutzerfreundlichkeit aufgeben. Zu meiner Überraschung hat es gar nicht so lange gedauert, bis mir die Grenzen eines perfekt funktionierenden iPhones vor Augen gehalten wurden.

In diesem Beitrag gehe ich deshalb gezielt auf Fehlersuche. Zwar widersprechen die nun aufgelisteten Fehlfunktionen nicht den letztendlich für mich ausschlaggebenden Kaufkriterien (s. o.), doch hatte ich manche dieser Funktionen wohl auch als realisierbar auf einem iPhone vorausgesetzt, da sie eben auch von der Konkurrenz als quasi Standardfeatures angeboten werden. Bei dem getesteten Gerät handelt es sich um ein iPhone 4 mit iOS 4.2.1 (8C148), Provider O2. Da ich die Gegebenheiten eines „gewöhnlichen“ iPhone-Nutzers erleben möchte, habe ich das Gerät keinem Jailbreak unterzogen.

Wecker – Man kann sagen es war mein Fehler, dass ich vielleicht einfach nicht gut genug informiert war. iPhone-User sind ja bekanntlich normalerweise jedem Trend hinterher. Wie dem auch sei, kann ich froh sein, am 2. Januar 2011 keinen wichtigen Termin gehabt zu habe, denn der Wecker, der auf 8 Uhr angesetzt war, ging einfach nicht los. Auch als ich – nach dem verspäteten Erwachen – einen neuen Wecker stellte, funktionierte er nicht. Neustart des Telefons half auch nicht, die Funktion war hinüber. Erst nach einer kurzen Google-Suche wurde ich schlauer und darüber informiert, dass alle iPhone-User dieses Problem haben. Apple ist scheinbar dazu um Stande das beste Handydisplay dieser Welt zu fertigen und gleichzeitig nicht mehr in der Lage eine Wecker-Software zu programmieren, auf die man sich verlassen kann (und nunmal können muss!).

App-Stabilität – Nicht erst einmal kam es vor, dass diese beim iPhone abstürtzten. Ich will nicht sagen, dass dies bei anderen Handybetriebssystemen nicht der Fall ist. Vor allem nicht bei Symbian. Doch der Fakt, dass der technologie-empfindliche Benutzer eines iPhones nun doch mit diesen technischen Ungereimtheiten konfrontiert wird, entzaubert das Super-Gerät doch zu einem großen Teil. Das äußert sich dann einfach darin, dass die App sich entweder aufhängt und manuell beendet werden muss (u.a. iTunes) oder sich direkt von selbst schließt, obwohl man gerade dringlich in der Diskussion nach Wikipediaartikeln sucht (Wikipedia, Onlineversion).

USB-Wechseldatenträger – Hier war ich bereits vorgewarnt. Ich wusste, dass man das iPhone nicht so mir nichts dir nichts als USB-Stick verwenden kann. Doch lies ich mich auf dieses Risiko ein, als mir ein bekannter iPhone-Anwender vor dem Kauf versicherte, dass es doch für alles eine App gibt. So eben auch dafür, das iPhone zum USB-Stick zu machen. Doch selbst mit jeglicherlei Datenaustausch-Applikationen ist es nicht möglich, sich von iTunes zu befreien. Ein Datenaustausch, also insbesondere ein Schreiben auf das Gerät, ist lediglich über die Apple-Software oder per FTP und WLAN möglich. Das ist nicht nur nervig und zeittötend, sondern eben auch unpraktisch, weil (Gott sei Dank) nicht jeder diese Software installiert hat oder haben möchte bzw. ein WLAN-Anschluss auch nicht immer vorausgesetzt werden kann.

Bluetooth – Eine sehr bekannte Apple-Einschränkung, die mir bis heute nicht recht einläuchten will. Apple schränkt die eingebaute Bluetooth-Schnittstelle so ein, dass lediglich Headsets und Internet-Tethering betrieben werden können. Davon abgesehen findet es meinen Computer für den Internet-Tethering-Versuch schlichtweg nicht. Vorbei sind also die Zeiten, in denen man sich kurzer Hand (offline!) mit einem Nokia (sei es auch aus den frühen 2000er Jahren) Bilder oder andere Dateien auf den Computer oder an ein anderes Handy sendet.

Klingeltöne -Hier gibt es mehrere Ungereimtheiten: Erstens können MP3s oder Soundfiles im Allgemeinen nicht so ohne weiteres als Klingelton definiert werden. Hierzu bedarf es einer weiteren App oder einem kleinen Kniff im iTunes, um ein Lied als Klingelton zu definieren. Zweitens ist es dem iPhone egal ob man telefoniert oder nicht, wenn man eine SMS bekommt. Der Effekt ist nämlich immer derselbe. So klingelt das Handy zwar etwas leiser, wenn man das Telefon beim Telefonieren am Ohr hat, doch es vibriert auch zusätzlich, was tatsächlich etwas befremdlich ist, wenn man nicht damit rechnet und gerade in das Telefonat vertieft ist.

FM-Receiver/Transmitter – Obwohl im iPhone schon so einiges an Antennen verbaut ist, gönnt man dem zahlungswilligen und trendbewussten iPhone-Benutzer keine Radioantenne. Warum frage ich mich? Seit Jahren ist diese kleine FM-Antenne zum Empfangen und oft auch zum Senden (Senden=das Gerät sendet auf einer FM-Frequenz und man könnte so auf recht einfache Weise die Musik im Autoradio hören, indem man auf die Sendefrequenz schaltet) mehr oder weniger Standard bei vielen Herstellern. Aber wer würde sich dann noch eine Radio-App herunterladen? Wer würde in diesem Fall noch den FM-Transmitter als Zubehör kaufen, wenn doch alles praktischerweise direkt im Gerät intergriert wäre? Der Apfelumsatz würde jedenfalls nicht wachsen. Die Sinnhaftigkeit von einer FaceTime-Funktion, die sowieso nur unter iPhones funktioniert und wenn dann auch nur, wenn jeder es aktiviert hat und dann auch nur wenn jeder WiFi empfängt sei in diesem Kontext nicht näher hinterfragt

3er-Konferenz – Was bei meinem alten Nokia E51 ohne Probleme funktionierte, stellt sich beim iPhone 4 als echte technische Herausforderung dar. Man telefoniert, erhält einen weiteren Anruf und möchte beide in einer Dreierkonferenz zusammenführen. Pustekuchen! Man tippt auf das Symbol, das dazu angezeigt wird, und es passiert einfach gar nichts. Dasselbe Problem hatte auch ein Freund mit demselben Telefon, jedoch mit anderem Netzanbieter (Vodafone), sodass es wohl tatsächlich ebenso am Apfel liegen muss. Nachtrag: O2 unterstützt 3er-Konferenzen nicht; das Problem liegt also evtl. am Provider.

Ich werde diese Liste im Verlauf meines iPhone-User-Daseins wohl noch diverse Male erweitern. Für Anregungen bin ich dankbar.

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3 Kommentare zu iPhone 4 – von einem nicht perfekten Mobiltelefon

  1. tanine sagt:

    Ich bin nicht so der Iphone-Fan (oder Interessierte), weshalb mich Punkte 2, 3, 4 weder besonders wundern noch wirklich groß neu sind.

    Dass aber nun ein einfacher Wecker nicht funktioniert, ist für mich wirklich überraschend – und, wie man so schön per Internet-Jagon sagt, ein richtiger Fail für Apple.

    lg

  2. Rainer sagt:

    Na ja, dass die eingebaute Wekcerfunktion einmalig im Jahr (hoffentlich) ’nen Aussetzer hatte finde ich jetzt nicht wirklich so schlimm, kann ja mal passieren.

    Das mit den 3er Konferenzen hab‘ ich noch nicht so getestet, kann aber auch sein, dass das ’ne einmalige Sache war.

    Das Apps abstürzen wird früher oder später bei allen Betriebssystemen passieren, ob iOS, Android, Symbian, Bada oder sonst was.

    Zu dem USB Stick, wenn ich mein iPhone an den PC anstöpsel wird es im Explorer angezeigt und ich kann die Bilder rüberkopieren. Rein theoretisch müsste man das auch als Stauraum für andere Daten missbrauchen können, auch wenn es nicht so super elegant ist (ich hab’s noch nicht getestet werd‘ das aber bei Gelegenheit mal machen)

    Gruß Rainer

  3. Grathi sagt:

    Das mit dem Wecker kam scheinbar bei der Zeitumstellung auch schonmal vor und war auch an Neujahr wohl nicht das erste Mal. Ich denke es gibt wenige Sachen, die so verlässlich sein sollten wie im Ernstfall ein Wecker, daher ist das einfach ein No-Go, wenn man sich da nicht zu 100% sicher sein kann.

    Bezüglich der Apps geb ich dir recht. Dennoch ist damit der perfektionistische Ruf des iPhone schnell entzaubert. Es hat – wie im Ãœbrigen auch Mac im Vergleich zu Windows – mit sehr üblichen technischen Problemen zu kämpfen und kann sich trotz der Zensur durch den Apple-Store nicht davon frei machen.

    Zum USB-Stick: Es ist de facto nicht möglich per USB und Explorer auf das Ding zu schreiben. Du kannst lediglich davon lesen und kopieren. Willst du schreiben muss das entweder per FTP und WLAN oder über iTunes passieren, weil Apple diese Schnittstelle blockiert. Wie im übrigen auch Bluetooth, was ich gleich noch hinzufügen werde 😉

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