Die Kunst der Beurteilung und Infragestellung

Ein Thema, das schon viele der großen Philosophen beschäftigt hat: Kritik, die Auseinandersetzung des Menschen mit Sachverhalten und Phänomenen, wobei er sich dabei selbst und eigenständig durch Vernunft und Logik die Zusammenhänge herleiten und so das Wesen der Welt verstehen soll. In der heutigen Zeit der modernen Medien hat man zwar einerseits die Möglichkeit, sich spontan ausführlich und erschöpfend über alles und fast jeden zu informieren, doch wird man andererseits von allen Seiten mit einer Vielzahl von Informationen überflutet. Gerade hier ist es wichtig, die Spreu vom Weizen zu trennen, genau zu differenzieren, selbst zu überprüfen, welche Informationen relevant und vor allem nach eigenen Ansichten und eigener Verifikation der Wahrheit am nächsten sind. Diese Eigenschaft des kritischen Denkens ist eine meiner Meinung nach sehr interessante, denn sie hat sicherlich Vor- und Nachteile für den Träger.

Man könnte sich fragen, ob es nicht oft besser ist, sich keine Gedanken über den Wahrheitsgehalt einer Aussage oder einer Information zu machen. Also nicht danach zu fragen, wieviel einer Information Wortschmuck und wieviel Fakt ist, etwas hinzunehmen, wie es einem vorgesetzt wird. Jeder der sich noch an seine Kindheit erinnert (sofern es denn gute Erinnerungen sind), wird vielleicht noch Spuren des Gefühls dieser kindlichen Freiheit, dieser Freiheit von Sorgen kennen. Damals war es wohl größtenteils normal, dass man Informationen hinnahm wie sie kamen, kindlich, ja gerade zu naiv (entstammt dem Französischen und kann mit kindlich übersetzt werden). Wie kommt es, dass es die einen Menschen gibt, die irgendwann beginnen, sich dieser Naivität zu entledigen und wieder andere nicht das Interesse haben, mündig zu werden, sich der eigenen Vernunft zu bedienen? Kann man Intelligenz allgemein mit diesem Interesse in Beziehung setzen oder lebt es sich einfach leichter, wenn man „weniger denkt“?

Gehen wir nun näher auf diese Fragestellung ein, könnte man aus „leichterem Leben“ bald den Ausdruck des „Glücks“ ins Spiel bringen (wobei auf die Komplexität des Glücksbegriffs zunächst einmal nicht eingegangen werden soll). Kann man also logisch folgern, dass Menschen, die „sich weniger Gedanken machen“, die dem Leben und seinen unendlich vielen Geheimnissen weniger kritisch (und/oder interessiert) gegenüber stehen, automatisch einfacher leben und damit vielleicht mehr Zeit haben, „Glück“ zu empfinden? Sicherlich hinkt diese Reihe, denn es würde einen interessierten Menschen wohl nie befriedigen, sich einfach keine Gedanken mehr zu machen, er findet sein Glück darin, sich mit Themen auseinander zu setzen. Doch hat er es vielleicht schwerer, an sein Ziel zu kommen, wie ein anderer, der bereits Glück verspürt, wenn er allabendlich vor dem Fernseher sitzt? Die Frage nach dem Mehr an Glück wird sicherlich immer unbeantwortet bleiben. Es bleibt jedoch die Theorie der höheren Ebenen des Glücks, die besagt, dass die Intensität des Glückes steigen soll, wenn man nach etwas strebt, man sich um etwas bemüht. Dies wird wohl eine eine Theorie bleiben, denn einen tatsächlichen Vergleich zwischen Ausprägungen eines Gefühls, was alleine schon schwer zu beschreiben ist, kann man sich kaum vorstellen. Würde man dies zum Trotz anstreben, bleibt die letzte Frage offen, ob nicht der, der versucht, einen solchen Vergleich zu erzwingen, der eigentlich naiv Denkende ist.

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