Facebook wird frech

Nachdem die Rufe nach einem Mehr an Privatsphäre im Internet insbesondere vor dem Hintergrund der wachsenden Bedeutung und Verbreitung von Online-Communities immer lauter werden, reagiert die weltweit bedeutendste Onlinegemeinschaft Facebook nun mit einem erneuten Upgrade. Den Nutzern von Facebook wurden so einige zusätzliche Möglichkeiten eingeräumt, die Privatsphäreneinstellungen über persönliche Informationen oder freigegebene Medieninhalte einfacher vor ungewollten Blicken zu schützen. Wie sich herausstellt handelt es sich dabei allerdings eher um einen Kompromiss zugunsten des Wunsches der Betreiber, dass Nutzer eigentlich mehr Inhalte freigeben sollten und das auch noch möglichst öffentlich.

So haben die Nutzer nun zwar die Gelegenheit, für alle auf der Pinnwand veröffentlichten Einträge gesondert einen bestimmten Kreis von zugriffsberechtigten Personen zu definieren. Zudem wurde die Ãœbersichtlichkeit der Kategorisierung der Privatssphäreneinstellungen deutlich verbessert.

Was jedoch in diesem Zusammenhang eher ausgeschwiegen wird, ist der Fakt, dass es nun scheinbar nicht mehr möglich ist, gewisse Informationen generell von der Veröffentlichung auf der Pinnwand auszuschließen. Früher war es nämlich möglich, zu bestimmen, dass keine Benachrichtigungen über selbstverfasste Kommentare oder das „Mögen“ eines Status oder sonstigen Mediums auf der Pinnwand veröffentlicht werden. Mit den „verbesserten“ Privatsphäreeinstellungen wird man dieser Entscheidungsfreiheit aber beraubt: Es wird jetzt über jeden erhobenen Daumen und verfassten Kommentar auf der Pinnwand des Benutzers berichtet, egal ob dieser das will oder nicht. Einzige Möglichkeit die Pinnwand wieder sauber zu bekommen ist ein manuelles Einschreiten durch bewusste Entfernung der Informationen von der Wall. Weiterhin entscheidet Facebook nun ganz frech, dass die Standardzugriffseinstellung für neu veröffentlichte Beiträge einfach „öffentlich“ ist. Sofern man also auch hier nicht aufpasst, kann es gut sein, dass mehr Inhalte an die Öffentlichkeit herangetragen werden, als eigentlich gewollt.

Zuletzt möchte ich jedoch auch anmerken, dass Facebook nach wie vor die Community mit den besten Sicherheitseinstellungen ist, auch was Privatsphäre angeht. Während StudiVZ immernoch tief in Facebooks Schatten steht und anstatt mit innovativen Ansätzen zu punkten lieber weiterhin versucht Facebook möglichst umfassend zu kopieren, bietet die amerikanische Vorlage ein sehr umfangreiches Portfolio an Einstellungsmöglichkeiten. So würde ich beispielsweise jedem Benutzer empfehlen, eine eigene sensible Benutzergruppe zu erstellen, welche mit restriktiven Privatsphäreeinstellungen belegt wird. So können bestimmte geschäftliche Kontakte mit nur einem Klick vom Privatleben des Nutzers abgeschottet werden, das sich möglicherweise auf der Pinnwand oder in den Bildern wiederfindet.

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