Quoten-K(r)ampf im deutschen Privatfernsehen

Wieso schreibt jemand, der selbst vorgibt, wenig Zeit zu haben, einen Artikel über das – eigentlich bekannterweise – miserable Programm des deutschen Privatfernsehens? Diese Frage möchte ich vorweg klären: weil es mir ein solch großes Rätsel ist, wie Fernsehsender wie RTL, RTL2, Sat1, VOX, Pro7 oder 9live mit einem teilweise solch schlechten Programm (insbesondere Nachmittags) überhaupt noch existieren können.

Betrachtet man im Allgemeinen die Entwicklung des Programms im deutschen Privatfernsehen, so kann man generell einige Trends des lowcost-entertainment festhalten. Erst waren es die Talkshows, die zunächst langsam und dann ganz schnell von Amerika nach Deutschland schwappten und mehr oder weniger das komplette Morgen-, Nachmittags- und Nachtprogramm der Sender füllten. Damals, vor einigen Jahren, hab es im Gegensatz zu heute aber wenigstens noch andere Themen wie Vaterschafts- und Lügentests. Später wurden manche Talkshows dann nicht mal mehr mit richtigen Talkgästen, sondern nur noch mit laienhaften Schauspielern gedreht, was auch heute noch teilweise der Fall ist. Danach gesellten sich die Gerichts- und Heimwerkershows dazu. Das eigentlich kuriose dabei ist: manche Fernsehsender haben inzwischen ein fast identisches Sendeprogramm, ein buntes Gemisch aus all diesen gleich sinnlosen und eigentlich kaum unterscheidbaren Sendungen. Aber wen interessiert denn so eine Unterhaltung?! Scheinbar sehr viele Menschen, denn es scheint kein Ende dieses Greuls zu geben.

Ich frage mich dennoch allen Ernstes: wer tut sich so ein Programm tagtäglich an, ohne dabei völlig zu verblöden? Man könnte fast meinen, es sei das Ziel der TV-Sender, all ihre Zuschauer zu Idioten zu züchten bzw. hauptsächlich eine solche Zielgruppe anzusprechen. So frage ich mich beispielsweise auch, wie es sein kann, dass selbst ein Mensch mit einem absoluten Nichts an Ästhetik und Sympathie zum Show-Moderator einer Einrichtungssendung wird (Tine Wittler), wie man Menschen wie Hella von Sinnen oder Dirk Bach eine 20.15-Show moderieren lassen kann. Aber klar, warum nicht, wenn es Quoten bringt? Man muss also leider akzeptieren, dass es fruchtet, dass das wirklich anspruchlose Fernsehprogramm gewünscht wird, Quoten sind da, also wird so weitergemacht. Weiter mit 80er-Shows, „Die zehn besten-Irgendwas“-Shows, IQ-Shows, Mann-Frau-Shows, Schillerstraße, Alexander Hold oder Barbara Salesch, und natürlich weiter mit dem König des kommerziellen Fernsehens: Stefan Raab. Fast egal, wann man sich auf einen Privatsender verirrt, es ist nahezu unumgänglich mit dieser Verblödung konfrontiert zu werden. Würde man es in Prozent ausdrücken, so wären 60% Schwachsinnsprogramm bei Sendern wie RTL und sogar ganze 100% bei Sendern wie 9live wohl durchaus angebrachte Zahlen.

Schade, wirklich schade, dass es so ist, wie es ist, dass die Quoten über das Niveau siegen. Denn dumm sind die Macher des Fernsehprogramms sicher nicht, informiert man sich über Moderatoren und Produzenten so stößt man zumeist auf Abiturienten, Studierte oder gar Doktoren. Es wird also alles dumm gemacht, publikumsgerecht, so wie es der Masse gefällt. Klar gibt es Alternativen und klar wollen alle unterschiedlichen Zielgruppen abgedeckt werden, doch der Fakt, dass es sich beim Sinnlos-TV absolut nicht um eine Minderheit im Fernsehen handelt, stimmt mich doch sehr nachdenklich, wenn man es auch nur im Ansatz als Spiegel der Gesellschaft sieht.

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